Auswandern nach Dubai wegen Steuern: Was E-Commerce-Unternehmer und Creator vor dem Wegzug wissen müssen

„Wohnsitz abmelden, Firma verlegen, Einkommen steuerfrei vereinnahmen“ – so klingt ein Wegzug nach Dubai in Reels, Podcasts und LinkedIn-Posts. In der Praxis bleiben viele dieser Versprechen nicht bestehen.

Gerade bei E-Commerce-Unternehmern, Marketplace-Sellern, Content Creatorn, Coaches und digitalen Dienstleistern hängen die Folgen eines Wegzugs nicht an einem TikTok-Satz. Entscheidend sind Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt, Geschäftsleitung, Auftraggeber, Plattformdaten, Beteiligungen und Zahlungsflüsse. Die Frage ist weniger, ob Dubai steuerfrei wirkt, sondern ob Deutschland wirklich „raus“ ist – und ob Dein Geschäftsmodell ins neue Land passt.

Viele Anfragen zum Thema Auswandern, Dubai und Steuern starten mit der Frage, wie schnell sich Einkommen „steuerfrei“ vereinnahmen lässt. Was in Reels wie ein klarer Schnitt wirkt, ist in der Praxis ein mehrstufiger Steuer-Check: deutsche Steuerpflicht, Wegzugsbesteuerung, Struktur im Zielland, Umsatzsteuer, Buchhaltung und Nachweise. Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, entsteht eine tragfähige Lösung.

Wer nach Dubai auswandert und dabei Steuern sparen will, muss dabei eins verstehen: Gerade für E-Commerce-Unternehmen, Marketplace-Seller und professionelle Content Creator bedeutet ein Wegzug, einen datengetriebenen Geschäftsbetrieb mit tausenden Transaktionen, Plattformmeldungen und Umsatzsteuerfällen zu verlagern. Genau dort setzt eine spezialisierte steuerliche Prüfung an.

Zusammenfassung vorab: Das solltest Du zu Auswandern, Dubai und Steuern wissen

Der Fehler beginnt oft vor dem Flug

Viele Wegzugspläne starten mit dem Steuersatz des Ziellandes. Das ist verständlich, führt fachlich aber oft in die falsche Richtung. Deutschland fragt zuerst: Hast Du noch einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland? Lebst Du mehr als sechs Monate zusammenhängend in Deutschland, entsteht dort nach der Darstellung des Bundesportals regelmäßig ein gewöhnlicher Aufenthalt. Ein Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt führt zur unbeschränkten Steuerpflicht mit dem Welteinkommen.

Ein Wegzug nach Dubai bedeutet steuerlich nicht automatisch, dass Deutschland raus ist. Deutschland prüft seine eigene Steuerpflicht unabhängig davon, wo Du gemeldet bist. Ein deutsches Arbeitszimmer, eine nutzbare Wohnung, enge geschäftliche Abläufe in Deutschland oder eine Geschäftsleitung, die faktisch von Deutschland aus erfolgt, verändern die Beurteilung grundlegend.

Für digitale Unternehmer verschärft sich das. Ein Onlineshop verkauft weiter an deutsche Kunden. Amazon-Auszahlungen laufen auf bekannte Konten. Retourenlager stehen in Deutschland. Kooperationen mit deutschen Marken bleiben aktiv. Deine steuerliche Realität folgt diesen Spuren, nicht deiner Meldeadresse.

Wir prüfen bei Wegzugsfällen deshalb nicht zuerst die Werbeversprechen des Ziellandes, sondern Deine Ausgangslage: Einkunftsarten, Rechtsform, Beteiligungen, Buchhaltung, Verträge, Warenbewegungen, private Bindungen und die Frage, wer Geschäftsentscheidungen trifft.

Dubai ist kein steuerfreier Schutzraum für jedes Geschäftsmodell

Dubai zieht viele Unternehmer an, weil die Vereinigten Arabischen Emirate keine Einkommensteuer auf Privatpersonen erheben. Seit Juni 2023 existiert in den VAE zugleich eine Körperschaftsteuer: Für Unternehmen gilt grundsätzlich ein Satz von 9 Prozent auf steuerpflichtige Gewinne oberhalb von 375.000 AED, wie das UAE-Finanzministerium beschreibt.

Wer nach Dubai auswandert und Steuern optimieren will, braucht deshalb mehr als ein Visum und eine Wohnung. Eine Free-Zone-Gesellschaft, ein Visum und eine Adresse in Dubai beantworten nicht automatisch, wo Deine Leistung entsteht, wo Deine Geschäftsleitung liegt und ob Deutschland weiter Besteuerungsrechte beansprucht.

In der Praxis heißt das: Eine Dubai-Freezone-Gesellschaft mit Konto und Büro ist nur ein Baustein. Entscheidender ist, wo Du Verträge verhandelst und unterschreibst, wo operative Entscheidungen fallen, wo sich Dein Kernteam aufhält und wie Belege, Buchhaltung und Zahlungsströme organisiert sind. Genau diese Punkte entscheiden, ob Dubai in der steuerlichen Würdigung als tatsächlicher Mittelpunkt deiner Tätigkeit durchgeht.

Deshalb schauen wir uns bei digitalen Geschäftsmodellen vor allem folgende Punkte an:

  • Wer entscheidet über Preise, Kampagnen, Produkte, Kooperationen und Zahlungsfreigaben?
  • Wo befinden sich Waren, Fulfillment-Strukturen, Retourenprozesse und Dienstleister?
  • Welche Plattformen melden Umsätze, Gebühren und Verkäuferdaten?
  • Welche Verträge laufen über Dich persönlich, welche über eine Gesellschaft?
  • Hältst Du Anteile an einer Kapitalgesellschaft, die eine Wegzugsbesteuerung auslösen?
Unternehmer arbeitet mit Laptop in Dubai und prüft Finanzdaten nach dem Wegzug ins Ausland.

Betreibst Du einen Shopify-Shop, Amazon FBA, Dropshipping oder Multichannel-Handel, entsteht Steuerberatung nicht am Länderlabel. Sie entsteht an Daten. Für die laufenden Prozesse rund um Shopdaten, Zahlungsanbieter und Umsatzsteuer findest Du vertiefende Informationen in unserer Steuerberatung für E-Commerce und Onlinehandel.

Das ausgelaufene DBA mit den VAE macht die Prüfung schärfer

Zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten lief das frühere Doppelbesteuerungsabkommen zum 31. Dezember 2021 aus. Germany Trade & Invest weist darauf hin, dass aktuell kein neues DBA besteht. Das hat eine klare Folge: Wenn die VAE keine Steuer erheben, bringen deutsche Entlastungsmechanismen in vielen Fällen keine echte Entlastung mehr, sobald Deutschland nach innerstaatlichem Recht besteuern darf.

Für Deinen geplanten Wegzug in die VAE heißt das: Du brauchst eine klare Trennung. Ein deutscher steuerlicher Anknüpfungspunkt lässt sich nicht mit dem Hinweis „Ich bin in Dubai gemeldet“ wegdiskutieren. Das Finanzamt betrachtet den gesamten Sachverhalt.

Bei Content Creatorn sehen wir wiederkehrende Bruchstellen. Eine Agentur sitzt in Deutschland. Markenverträge enthalten deutsche Leistungsorte. Shootings finden in Deutschland statt, weil dort das Team, die Locations und viele Markenpartner sitzen. Die Community lebt überwiegend im DACH-Raum. Einnahmen aus Affiliate-Netzwerken, YouTube, OnlyFans, Twitch oder Podcast-Sponsorings laufen über verschiedene Plattformen. Für Creator-Themen haben wir eine eigene Vertiefung zur Steuerberatung für Influencer und Content Creator.

Gerade bei Plattformen zählen Verträge, Abrechnungen, Nutzungsdaten, IP-relevante Leistungen, Leistungszeiträume und die dokumentierte Organisation. Das Gefühl, wo Dein Business „zu Hause“ ist, zählt nicht.

Viele Wegzugspläne stellen Dubai Portugal und Zypern gegenüber: Portugal NHR 2024

Beim Blick auf Portugal stützen sich viele noch auf das frühere NHR-Regime. Doch die portugiesische Steuerverwaltung stellt klar: Das Non-Habitual-Resident-Regime wurde zum 1. Januar 2024 aufgehoben und durch einen neuen Anreiz für wissenschaftliche Forschung und Innovation ersetzt. Für registrierte NHR-Fälle gelten Übergangsregeln, darunter der Erhalt der Vorteile bis zum Ende des ursprünglichen Zehnjahreszeitraums.

Seit dem Ende des alten NHR-Regimes musst Du steuerliche Argumente für Portugal deutlich genauer begründen. Alte NHR-Rechner, die pauschal mit zehn Jahren Sonderregime werben, liefern für viele neue Wegzugspläne keine belastbare Grundlage mehr.

Die portugiesische Übergangsregel für 2024 knüpft an konkrete Voraussetzungen an: steuerliche Ansässigkeit in Portugal bis zum 31. Dezember 2024, Kernvoraussetzungen des NHR-Regimes sowie Nachweise zu einem vorherigen Bezug zu Portugal. Die Frist für einen Antrag mit Wirkung für 2024 endete am 31. März 2025. Spätere Anträge greifen erst ab dem Antragsjahr und verkürzen faktisch den verbleibenden Zeitraum.

Portugal kann als Wohn- und Unternehmensstandort sinnvoll sein. Die steuerliche Begründung muss seit 2024 aber deutlich mehr Substanz liefern als früher.

Zypern Non-Dom: Attraktiv, aber kein Freifahrtschein

Zypern kennt eine steuerliche Ansässigkeit nach der 183-Tage-Regel oder unter bestimmten Voraussetzungen über die 60-Tage-Regel, wie das zyprische Tax Department beschreibt. Der Non-Dom-Status kann bei bestimmten passiven Einkünften eine hohe Wirkung entfalten, vor allem im Umfeld der Special Defence Contribution, einer zyprischen Zusatzsteuer auf bestimmte Kapital- und Dividendeneinkünfte.

Trotzdem löst Zypern nicht automatisch deutsche Themen. Wenn Du in Deutschland weiterhin eine Wohnung nutzt, inländische Einkünfte erzielst oder eine deutsche Kapitalgesellschaft hältst, entsteht ein zweites Prüfungsfeld. Ansässigkeit und Non-Dom-Status müssen sauber begründet und dokumentiert werden, etwa durch Aufenthaltszeiten, Mietverträge, berufliche Tätigkeit und Nachweise wirtschaftlicher Substanz.

Bei Onlinehändlern sehen wir häufig, dass Lager, Retouren, Logistikdienstleister und wesentliche Kundenmärkte weiterhin in Deutschland oder der EU liegen, während nur Wohnsitz und Holding ins Ausland verlagert werden. In solchen Konstellationen bleiben Umsatzsteuer, Betriebsstättenrisiken und deutsche Steuerpflicht oft bestehen.

Für E-Commerce-Unternehmer, Amazon-Seller und Shopify-Händler kann Zypern zusätzliche Fragen auslösen: Wo liegt die Ware? Welche Gesellschaft verkauft an EU-Endkunden? Wer schuldet Umsatzsteuer? Wie laufen OSS-Meldungen, Reverse-Charge-Fälle und Plattformgebühren? Wenn Dein Umsatz in der EU entsteht, bleibt die Umsatzsteuer ein operatives Thema. Dazu passen unsere Beiträge zum One-Stop-Shop-Verfahren und zum Reverse-Charge-Verfahren.

Wegweiser nach Dubai, Portugal und Zypern als Symbol für den steuerlichen Vergleich möglicher Auswanderungsziele.

Vergleich: Dubai, Portugal und Zypern in der steuerlichen Praxis

Der folgende Vergleich ersetzt keine Einzelfallprüfung. Er zeigt, wo typische Versprechen aus Wegzugs-Content zu kurz greifen und welche Fragen Du vor einer Entscheidung klären musst.

StandortTypisches VersprechenSteuerliche RealitätPrüffragen für digitale Unternehmer
Dubai / VAEKeine Einkommensteuer, internationale StrukturKörperschaftsteuer seit 2023, kein aktuelles DBA mit Deutschland; deutsche Wohnsitze, Geschäftsleitung oder inländische Einkünfte können weiter zur Besteuerung in Deutschland führenWo liegt Geschäftsleitung? Bestehen deutsche Wohnsitze, Kunden, Lager oder Beteiligungen?
PortugalNHR-Sonderregime und EU-LebensmodellAltes NHR-Regime seit 2024 aufgehoben; Übergangsregeln greifen nur bei erfüllten Voraussetzungen; müssen anhand der aktuellen portugiesischen Regeln neu bewertet werdenGilt ein Altfall? Welche Einkünfte fallen unter neue oder reguläre Regeln?
ZypernNon-Dom, EU, niedrige Belastung auf bestimmte EinkünfteAnsässigkeit und Non-Dom müssen durch Aufenthaltszeiten, Mietverträge und wirtschaftliche Substanz dokumentiert werdenWelche Einkünfte erzielst Du aktiv, welche passiv? Wo entsteht Umsatzsteuerpflicht?

Ein Wegzug nach Dubai, Portugal oder Zypern funktioniert als Plan erst, wenn Zielland, deutsches Steuerrecht und Geschäftsmodell zusammen betrachtet werden. Entscheiden solltest Du erst, wenn diese drei Ebenen geprüft sind.

Wegzugsbesteuerung: Der stille Risikopunkt bei GmbH-Anteilen

Viele Unternehmer prüfen vor dem Wegzug Lebenshaltungskosten, Visa und Steuersätze. GmbH-Anteile geraten zu spät auf den Tisch. § 6 AStG regelt die Besteuerung des Vermögenszuwachses bei bestimmten Anteilen, wenn Deutschland sein Besteuerungsrecht verliert oder beschränkt.

Für Dich wird das relevant, wenn Du Anteile an einer Kapitalgesellschaft hältst, zum Beispiel an einer operativen GmbH, Holding-GmbH oder Beteiligungsstruktur. Die Wegzugsbesteuerung knüpft nicht daran an, ob Du gerade Liquidität erhältst. Sie kann stille Reserven erfassen.

Typische Fehler in der Praxis sind: eine GmbH-Gründung oder Umwandlung kurz vor dem Wegzug ohne Blick auf § 6 AStG, der unbedachte Einstieg eines Investors vor der Auswanderung oder ein Wegzug in mehrere Etappen über verschiedene Länder. Solche Schritte können den fiktiven Veräußerungsgewinn deutlich erhöhen oder Zahlungszeitpunkte ungewollt vorziehen.

Einen Wegzug nach Dubai zu planen und dabei die Wegzugsbesteuerung für Deine GmbH-Anteile zu übergehen, ist bei Gesellschaftern fachlich unvollständig. Dasselbe gilt bei der Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH kurz vor einem geplanten Wegzug. Die Reihenfolge zählt.

Bei der Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH kurz vor einem geplanten Wegzug zählt die Reihenfolge. Lies dazu zuerst unsere Einordnung zur Umwandlung vom Einzelunternehmen in eine GmbH und zur GmbH-Gründung.

Die Buchhaltung verrät mehr als Dein Instagram-Standort

Digitale Geschäftsmodelle hinterlassen Daten. Zahlungsdienstleister, Marktplätze, Shopsysteme, Affiliate-Netzwerke, Banken, Werbekonten und Rechnungsprogramme zeigen, wo Umsätze entstehen und wie Dein Unternehmen arbeitet. Wenn im Konto noch deutsche Mieten, deutsche Agenturhonorare und regelmäßige Restaurantrechnungen aus München auftauchen, entsteht ein anderes Bild als der Wohnsitzwechsel im Melderegister.

Ein Wegzug löst kein Datenchaos in Luft auf. Bei Wegzugsfällen analysieren wir deshalb die Buchhaltung als Beweiskette. Stimmen Rechnungen, Leistungsorte, Verträge und Zahlungseingänge zusammen? Gibt es private Ausgaben im Geschäftskonto? Erfassen Deine Exporte Gebühren, Erstattungen und Retouren vollständig?

Wenn Du heute schon Mühe hast, Deine Buchhaltung sauber zu halten, wird es mit mehreren Ländern nicht einfacher. Ein Wegzug verbessert keine mangelhaften Daten. Er macht sie riskanter, weil grenzüberschreitende Sachverhalte zusätzliche Prüfspuren erzeugen. Unsere Seite zur Buchhaltung im E-Commerce zeigt, welche Daten im Onlinehandel zusammengeführt werden müssen.

Dasselbe gilt für Betriebsausgaben. Reisen, Technik, Software, Agenturkosten, Ads, Samples und Creator-Equipment brauchen einen klaren betrieblichen Zusammenhang. Mehr zu steuerlichen Pflichten, Einnahmen und Ausgaben findest Du in unserem Beitrag zu Steuern für Influencer und Creator.

Pakete und Onlineshop als Symbol für E-Commerce, Warenhandel und steuerliche Pflichten bei einem Wegzug ins Ausland.

Welche Unterlagen vor der Entscheidung auf den Tisch gehören

Eine seriöse Prüfung beginnt vor Kündigung der Wohnung, Visa-Antrag und Gesellschaftsgründung. Wir benötigen dafür keine Geschichte, sondern Unterlagen und Entscheidungen:

  • aktuelle Steuerbescheide, Jahresabschlüsse oder Einnahmenüberschussrechnungen
  • Gesellschaftsverträge, Beteiligungsquoten und geplante Umstrukturierungen
  • Plattform- und Zahlungsdaten aus Shops, Marktplätzen und Zahlungsanbietern
  • Verträge mit Kunden, Agenturen, Marken, Plattformen und Dienstleistern
  • Informationen zu Wohnsitzen, Aufenthalten, Familie, Mitarbeitern und Geschäftsleitung
  • geplante Zielstruktur in Dubai, Portugal oder Zypern

Danach lässt sich klären, ob Dein Wegzug steuerlich trägt, welche Punkte vorab bereinigt gehören und welche laufenden Pflichten bleiben. Bei größeren Transaktionsmengen gehört die Liquiditätsplanung in dieselbe Betrachtung, weil Steuerzahlungen, Wegzugskosten und Umstellung der laufenden Buchhaltung zeitlich zusammenfallen.

Wenn Du Deine Unterlagen bereits grob zusammengestellt hast und prüfen willst, ob ein Wegzug nach Dubai steuerlich zu deinem konkreten Setup passt, vereinbare den nächsten Schritt mit uns. Wir ordnen Deine Daten steuerlich ein und zeigen dir realistische Handlungsoptionen.

Wann aus einem Steuerplan ein Prüfungsrisiko entsteht

Finanzverwaltungen arbeiten zunehmend datenbasiert. Plattformmeldungen, Bankdaten, Umsatzsteuerangaben, Rechnungen und Auslandssachverhalte ergeben ein Bild. Wenn dieses Bild nicht zu deinem erklärten Wegzug passt, entsteht Erklärungsbedarf.

Ein Wegzug wird riskant, wenn Gestaltung und tatsächliches Leben auseinanderfallen. Du meldest Dich ab, hältst Dich faktisch oft in Deutschland auf, führst Kundentermine in Deutschland, nutzt eine deutsche Wohnung weiter und triffst Geschäftsentscheidungen vor Ort. Dann hilft ein ausländisches Setup nur begrenzt.

Betriebsprüfungen fragen nicht nach Social-Media-Claims. Sie fragen nach Belegen. Für digitale Unternehmen haben wir die wichtigsten Praxispunkte in unserem Beitrag zur Betriebsprüfung im E-Commerce gebündelt.

Wenn Du schon umgezogen bist und erkennst, dass Deine Dokumentation Lücken hat, warte nicht auf die nächste Anfrage des Finanzamts. Eine saubere Rekonstruktion benötigt Zeit, Kontodaten, Plattformexporte und eine fachliche Linie.

So ordnen wir Deine Wegzugsüberlegung steuerlich ein

Wir betrachten Deinen Wegzug nicht isoliert als Länderwechsel. In einer ersten steuerlichen Einordnung arbeiten wir in drei Schritten:

  1. Status quo in Deutschland: Wohnsitze, gewöhnlicher Aufenthalt, GmbH-Anteile, laufende Einkünfte.
  2. Geschäftsmodell-Analyse: Plattformen, Zahlungsströme, Umsatzsteuerpflichten, Datenlage in der Buchhaltung.
  3. Zielland-Vergleich mit Blick auf Deine konkrete Struktur statt pauschale Steuersätze.

Erst auf dieser Basis lassen sich Varianten rechnen und Risiken benennen. Bei E-Commerce-Unternehmen gehen wir dabei tief in Verkaufskanäle, Warenbewegungen, Retouren, Zahlungsanbieter und Umsatzsteuer. Bei Creatorn prüfen wir Kooperationen, Plattformvergütungen, Affiliate-Einnahmen, Sachzuwendungen und internationale Vertragspartner.

Wenn Du eine Auswanderung planst oder bereits in Dubai, Portugal oder Zypern lebst, schick uns eine kurze Anfrage über unser Kontaktformular für Deine steuerliche Anfrage. Beschreibe kurz Dein Geschäftsmodell, zum Beispiel E-Commerce, Amazon FBA, Shopify oder Content Creation, Deine aktuelle Rechtsform, das geplante Zielland und Deinen Zeitplan.

Fazit: Ein Wegzug nach Dubai muss zu Deinem tatsächlichen Geschäftsmodell passen

Keine Einkommensteuer auf Privatpersonen macht Dubai für Unternehmer interessant. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass nach dem Umzug keine deutschen Steuern mehr anfallen. Entscheidend ist, welche steuerlichen Anknüpfungspunkte in Deutschland bestehen bleiben.

Bei Unternehmern reicht deshalb der Blick auf Wohnsitz und Aufenthalt nicht aus. Geschäftsleitung, GmbH-Anteile, Mitarbeiter, Lager, Kunden, Verträge, Plattformdaten und Zahlungsströme müssen zur geplanten Struktur passen. Bei E-Commerce und Content Creation kommen Umsatzsteuer und grenzüberschreitende Leistungsbeziehungen hinzu.

Auch ein Vergleich mit Portugal oder Zypern sollte nicht allein anhand einzelner Steuersätze oder Sonderregelungen erfolgen. Relevant ist, wie Deine konkreten Einkünfte, Beteiligungen und betrieblichen Abläufe im jeweiligen Land behandelt werden.

Je früher diese Punkte vor dem Umzug geklärt werden, desto besser lassen sich steuerliche Folgen, Wegzugsbesteuerung und laufende Pflichten einplanen.

Du planst einen Wegzug nach Dubai?

Bevor Du Deinen Wohnsitz abmeldest oder Dein Unternehmen neu strukturierst, solltest Du klären, welche Steuerpflichten in Deutschland bestehen bleiben und ob eine Wegzugsbesteuerung droht.

Wir prüfen Deine Ausgangslage, Dein Geschäftsmodell und die geplante Struktur im Zielland.

Häufige Fragen zu Auswandern, Dubai und Steuern

Für viele klingt Dubai nach einem steuerfreien Leben. Tatsächlich erheben die VAE keine Einkommensteuer auf Privatpersonen. Deutschland prüft aber unabhängig davon, ob Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt oder inländische Einkünfte bestehen. Erst wenn diese deutschen Anknüpfungspunkte entfallen, ist der Wegzug steuerlich wirksam.

Das alte portugiesische NHR-Regime wurde zum 1. Januar 2024 aufgehoben. Übergangsregeln gelten für bestimmte Alt- und Übergangsfälle; neue Pläne müssen anhand der aktuellen portugiesischen Regeln neu bewertet werden. Alte Berechnungen mit pauschalen zehn Jahren Sonderregime sind für viele Konstellationen nicht mehr belastbar.

Der Non-Dom-Status betrifft vor allem die Behandlung bestimmter passiver Einkünfte im Zusammenhang mit der Special Defence Contribution, einer zyprischen Zusatzsteuer auf Kapital- und Dividendeneinkünfte. Daneben brauchst Du eine tragfähige steuerliche Ansässigkeit, etwa über die 183-Tage-Regel oder unter Voraussetzungen über die 60-Tage-Regel, plus Nachweise über Aufenthalt und wirtschaftliche Substanz.

Ja, das ist möglich. In der Praxis musst Du dann aber klären, wo die Geschäftsleitung sitzt, ob die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG ausgelöst wird und wie Gewinnausschüttungen künftig versteuert werden. Relevant sind außerdem Anteilseignerstellung, die fehlende DBA-Schutzwirkung und die Frage, ob Deutschland weiterhin Besteuerungsrechte behält.

Nein. Die 183-Tage-Grenze ist kein Freifahrtschein. Für die unbeschränkte Steuerpflicht prüft Deutschland Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt. Ein Wohnsitz kann bereits vorliegen, wenn dir eine Wohnung zur Nutzung zur Verfügung steht, unabhängig von der genauen Tageszahl. Auch beschränkte Steuerpflicht und inländische Einkünfte können greifen, obwohl Du weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland bist.

Dann bleibst Du häufig mit Teilen deines Einkommens in Deutschland steuerpflichtig. Wenn Mitarbeiter, Büro, Lager, Fulfillment oder wesentliche Geschäftsleitung in Deutschland sitzen, kann eine inländische Betriebsstätte oder ein inländischer Geschäftsleitungsmittelpunkt vorliegen. Deutsche Besteuerungsrechte greifen dann weiterhin, unabhängig davon, ob Du persönlich in Dubai gemeldet bist.

Hilfreich sind aktuelle Steuerbescheide und Jahresabschlüsse, Gesellschaftsverträge und Beteiligungsübersichten, Exportdaten aus Shops, Marktplätzen und Zahlungsanbietern, wichtige Kunden- und Agenturverträge sowie Informationen zu bestehenden und geplanten Wohnsitzen. Auf dieser Basis können wir steuerliche Chancen und Risiken deutlich präziser einschätzen.

Felix Böckmann

Felix Böckmann ist ein renommierter Steuerberater und Partner in der Kanzlei SKULD. Nach seiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten in einer mittelständischen Cloppenburger Steuerkanzlei absolvierte er ein duales Studium in Rechnungswesen, Steuerrecht und Wirtschaftsrecht an der DHBW in Mannheim. Bevor er SKULD gründete, sammelte er wertvolle Erfahrungen in einer führenden E-Commerce-Steuerkanzlei. Seine Expertise wurde durch das erfolgreiche Ablegen des Steuerberaterexamens bestätigt. Darüber hinaus hat er eine Zusatzqualifikation als Tax Specialist für E-Commerce und Onlinehändler erworben. In seiner Freizeit findet er Ausgleich beim Tennisspielen und an der deutschen Nordseeküste.